Samstag nach dem Herz-Jesu-Fest (2. nach Fronleichnam)

Die Bergfeuer zur Zeit der Sommersonnenwende wurzeln wie auch andere Jahresfeuer im alten, vorchristlichen Kult der Naturvölker. In ihrem Glauben hing das Leben von den Naturkräften ab. Große Bedeutung hatte die Sonne, von ihr kamen Heilung, Segen und Fruchtbarkeit für Mensch, Tier und Natur. Mit dem Entzünden von Feuer wollte man die Kraft der Sonne nachbilden, mit dem Abbrennen eines Feuerstoßes oder dem Abrollen glühender Räder über die Berghänge wollte man sie beschwören. Viehzuchttreibende Volksstämme gebrauchten die sogenannten "Notfeuer", um Seuchen zu bannen. Die Nacht der Sommersonnenwende war eine der "Freinächte", in der Geister, Hexen und Druiden ihr Unwesen trieben. Heute noch erhaltenes Brauchtum zum Schutz vor Hexen, aber auch in Zusammenhang mit der Heilkraft dieser besonderen Nacht, läßt Reste heidnischen Kultes erkennen; so soll beispielsweise das Überspringen des hochlodernden Feuers Glück für Verliebte bringen.

In christlicher Zeit wurde es üblich, die Höhenfeuer zur Ehre von Heiligen abzubrennen. Und da die Sonnenwende mit dem Fest Johannes des Täufers am 24. Juni zusammenfiel (vor Einführung des Gregorianischen Kalenders war der 24. Juni der Tag des höchsten Sonnenstandes, verschob sich dann auf den 21. Juni), gab es dann ein "Johannisfeuer". Feuer zu Ehren des hl. Veit um den 15. Juni oder zu Peter und Paul am 29. Juni ("Peterlefeuer") sind vereinzelt noch üblich.

In Tirol haben die Sonnwendfeuer zu Ehren des Herz-Jesu-Festes eine eigene Bedeutung bekommen. Dieses Fest wurde in einer für das Land sehr schwierigen Zeit, im Jahr 1796, eingeführt und am zweiten Sonntag nach Fronleichnam gefeiert. 80 Jahre nach dieser Weihe des Landes Tirol an das Heiligste Herz Jesu sollten Feuer in Verbindung damit die Unlöslichkeit des Bundes bekräftigen. An die Stelle der allgemein üblichen Sonnwendfeuer traten immer mehr die Herz-Jesu-Feuer, die in Form der mit Christus in Verbindung gebrachten Symbole wie "IHS", Kreuz und Herz abbrennen.

Im Raum Innsbruck werden auf den höchsten Berggipfeln wie ursprünglich Sonnwendfeuer entzündet, organisiert von verschiedenen Bergsteigervereinen. Im Zillertal haben sich sowohl Sonnwendfeuer als auch Johannisfeuer und im Rofangebiet hat sich neben dem Herz-Jesu-Feuer noch das Johannisfeuer gehalten. Doch ganz gleich unter welchem Namen diese Höhenfeuer brennen, Ursprung und Begeisterung dafür sind dieselben.

AUßERDEM....

Aus der Zeit der Napoleonischen Kriege hat sich der wohl bekannteste Brauch Tirols erhalten. Als Napoleon 1796 von Mailand gegen Norden vorrückte und Tirol bedrängte, beratschagten die Tiroler Landesstände im Palais Toggenburg in Bozen über die Verteidigung des Landes. Der Prälat von Stams schlug vor, Tirol unter den Schutz des Herzens Jesu zu stellen und ihm den Freitag nach Fronleichnam zu weihen. Diesen Bund mit dem Herzen Jesu erneuerte Andreas Hofer mit seinen Schützen vor der zweiten Berg-Isel-Schlacht gegen die Franzosen und Bayern. Seitdem ist der Sonntag nach dem Herz-Jesu Freitag Tiroler Landesfeiertag, der mit Prozessionen und Bergfeuern hochgehalten wird. Diese Bergfeuer waren in Kriegszeiten Leuchtzeichen für einen abgesprochenen Kampfbeginn, die an weit sichtbaren Punkten und Gipfeln aufflammten.